top of page

Du darfst das Gute behalten

Autorenbild: Marc Altmann
Marc Altmann
25. Sept.
7 Min. Lesezeit

Warum wir Glück nicht zerstören müssen, nur weil wir Angst haben, es wieder zu verlieren.


Manchmal geschieht etwas Merkwürdiges in unserem Leben.

Wir wünschen uns lange, dass etwas besser wird.

Wir sehnen uns nach Frieden.

Nach Liebe.

Nach Sicherheit.

Nach einer erfüllenden Beziehung.

Nach Erfolg.

Nach Gesundheit.

Nach einem Zuhause.

Nach einem Menschen, bei dem wir uns wohlfühlen.

Oder einfach danach, dass für eine Weile einmal alles ruhig sein darf.

Und dann geschieht es tatsächlich.

Etwas wird gut.

Vielleicht sogar sehr gut.

Doch anstatt uns vollständig darüber zu freuen, entsteht plötzlich eine neue Angst:


Wie lange wird das bleiben?


Wir beginnen, das Gute zu beobachten.

Zu überprüfen.

Zu hinterfragen.

Wir suchen nach Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.

Und manchmal schaffen wir dadurch genau jene Unruhe, vor der wir uns eigentlich schützen wollten.



Wenn Frieden plötzlich ungewohnt ist


Wer lange in Anspannung gelebt hat, empfindet Entspannung nicht immer sofort als angenehm.

Das klingt zunächst widersprüchlich.

Doch unser inneres System gewöhnt sich an Zustände.

Wenn wir über längere Zeit mit Konflikten, Unsicherheit, Sorgen oder emotionaler Anspannung gelebt haben, kann daraus eine Form von innerer Wachsamkeit entstehen.

Wir rechnen ständig damit, dass etwas geschehen könnte.

Wir beobachten unsere Umgebung.

Wir interpretieren Veränderungen.

Wir versuchen vorauszusehen, wo das nächste Problem auftauchen könnte.

Und wenn plötzlich kein Problem da ist?

Dann sucht unser Verstand manchmal eines.

Nicht weil wir unglücklich sein wollen.

Sondern weil das Vertraute zunächst sicherer erscheinen kann als das Unbekannte – selbst wenn das Vertraute anstrengend war.


Wenn du lange im Sturm gelebt hast, kann selbst die Stille zunächst beunruhigend sein.


Vielleicht musst du dann erst wieder lernen, dass Ruhe nicht automatisch die Ruhe vor dem nächsten Sturm sein muss.

Manchmal ist Ruhe einfach Ruhe.



Du musst aus Frieden kein Problem machen


Vielleicht kennst du diese Momente.

Eigentlich ist alles in Ordnung.

Doch dein Verstand beginnt:

Irgendetwas stimmt bestimmt nicht.

Es läuft gerade zu gut.

Das kann doch nicht so bleiben.

Bestimmt kommt noch etwas.

Und schon verlässt du innerlich den gegenwärtigen Augenblick.

Du bist nicht mehr bei dem Frieden, der gerade da ist.

Du bist bei einem möglichen Problem, das noch gar nicht existiert.

Natürlich gehört es zum Leben, vorauszudenken und Verantwortung zu übernehmen.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen verantwortungsvollem Vorausdenken und ständiger Erwartung von Gefahr.

Du musst nicht jedes Glück auf seine Haltbarkeit überprüfen.

Du musst nicht jeden schönen Augenblick auf sein mögliches Ende untersuchen.

Und du musst nicht aus Frieden eine Sorge darüber machen, wann dieser Frieden wieder verschwinden könnte.


Du darfst das Gute einfach gut sein lassen.



Die Angst vor dem Verlust


Hinter dieser Unruhe verbirgt sich häufig eine sehr menschliche Angst.

Denn sobald wir etwas wirklich lieben, können wir es verlieren.

Wenn wir einen Menschen tief in unser Herz lassen, werden wir verletzlich.

Wenn uns etwas wichtig wird, kann sein Verlust wehtun.

Wenn wir glücklich sind, wissen wir gleichzeitig, dass kein äußerer Zustand ewig bestehen bleibt.

Und deshalb versuchen wir manchmal, uns schon vorher zu schützen.

Wir freuen uns lieber nicht zu sehr.

Wir lieben lieber nicht zu tief.

Wir vertrauen lieber nicht vollständig.

Wir halten innerlich einen kleinen Abstand.

Vielleicht glauben wir unbewusst:


Wenn ich mich nicht vollständig darauf einlasse, tut es später weniger weh.


Doch funktioniert das wirklich?

Oder verlieren wir dadurch etwas bereits jetzt, obwohl es noch da ist?


Du schützt dich nicht vor dem Verlust, indem du die Freude vorher verlässt.


Das ist vielleicht eine der schwierigsten Lektionen des Lebens.

Wir können nicht alles festhalten.

Aber wir können entscheiden, ob wir das, was gerade da ist, wirklich erleben.



Freude braucht Mut


Vielleicht denken wir bei Mut meistens an schwierige Situationen.

An Entscheidungen.

An Veränderungen.

An den ersten Schritt.

Doch auch Freude kann Mut verlangen.

Denn echte Freude öffnet unser Herz.

Wir lassen etwas an uns heran.

Wir sagen:


Ja, das bedeutet mir etwas.


Und damit akzeptieren wir gleichzeitig, dass wir nicht kontrollieren können, wie lange es bleiben wird.

Vielleicht ist deshalb die Fähigkeit, Freude wirklich zuzulassen, ebenfalls eine Form von Vertrauen.

Nicht das Vertrauen:

Das wird niemals enden.

Sondern:


Ich darf es lieben, obwohl ich weiß, dass das Leben sich verändert.


Das ist etwas völlig anderes.



Du darfst glücklich sein


Manche Menschen tragen noch eine andere Schwierigkeit in sich.

Sie können ihr eigenes Glück nur schwer genießen, wenn andere Menschen leiden.

Vielleicht geht es einem Menschen, den du liebst, gerade nicht gut.

Vielleicht kennst du jemanden, der krank ist.

Vielleicht siehst du Leid in der Welt.

Und plötzlich entsteht ein Schuldgefühl:

Darf ich überhaupt glücklich sein?

Darf ich lachen, während jemand anderes traurig ist?

Darf ich mein Leben genießen, obwohl es anderen Menschen schlechter geht?

Mitgefühl ist eine wunderbare menschliche Fähigkeit.

Es verbindet uns miteinander.

Doch Mitgefühl verlangt nicht, dass wir zusätzlich leiden müssen.

Du hilfst einem traurigen Menschen nicht dadurch, dass du dir selbst jede Freude verbietest.

Du hilfst einem kranken Menschen nicht dadurch, dass du dich schuldig fühlst, wenn es dir gut geht.

Und du verbesserst das Leid der Welt nicht dadurch, dass du das Schöne in deinem eigenen Leben ablehnst.


Deine Freude nimmt einem anderen Menschen nichts weg.


Vielleicht gibt sie dir sogar Kraft, Liebe und Energie, die du wiederum weitergeben kannst.



Glück ist kein Verrat


Manchmal fühlen wir uns sogar Menschen gegenüber schuldig, die nicht mehr bei uns sind.

Wir haben jemanden verloren.

Eine Beziehung ist zu Ende gegangen.

Ein geliebter Mensch ist gestorben.

Ein Lebensabschnitt ist vorbei.

Und irgendwann beginnt wieder etwas Schönes.

Wir lachen.

Wir verlieben uns vielleicht neu.

Wir genießen einen Tag.

Und plötzlich entsteht ein merkwürdiges Gefühl:

Darf ich das?

Ja.

Denn weiterzuleben bedeutet nicht, das Vergangene zu verraten.

Neue Freude löscht alte Liebe nicht aus.

Ein neuer Mensch ersetzt keinen anderen.

Ein glücklicher Augenblick macht eine frühere Trauer nicht bedeutungslos.

Das menschliche Herz besitzt die erstaunliche Fähigkeit, beides zu tragen:

Erinnerung und Gegenwart.

Trauer und Freude.

Vergangenheit und Neubeginn.

Vielleicht ist Heilung nicht der Moment, in dem wir vergessen.

Vielleicht ist Heilung der Moment, in dem wir wieder leben dürfen, ohne das Vergangene verleugnen zu müssen.



Du musst Glück nicht verdienen


Im letzten Newsletter haben wir darüber gesprochen, dass du empfangen darfst.

Dass du Liebe, Unterstützung und Zuwendung nicht immer erst verdienen musst.

Vielleicht gilt dasselbe für Glück.

Du musst nicht erst vollkommen sein, bevor du glücklich sein darfst.

Du musst nicht alle deine Probleme gelöst haben.

Du musst nicht spirituell vollkommen entwickelt sein.

Du musst nicht alle Konflikte deines Lebens geklärt haben.

Du darfst heute einen schönen Tag haben, obwohl noch etwas ungelöst ist.

Du darfst lachen, obwohl du auch Sorgen hast.

Du darfst genießen, obwohl du weißt, dass morgen vielleicht wieder eine Herausforderung kommt.

Das Leben verlangt nicht, dass erst alles perfekt sein muss, bevor Freude stattfinden darf.

Wenn wir darauf warten, werden wir möglicherweise sehr lange warten.

Denn Leben ist niemals vollständig fertig.



Ein schöner Augenblick muss nicht ewig dauern


Wir machen einen merkwürdigen Fehler, wenn wir den Wert eines Augenblicks danach beurteilen, wie lange er dauert.

Eine Blume verliert nicht ihre Schönheit, weil sie irgendwann verblüht.

Ein Sonnenuntergang wird nicht bedeutungslos, weil die Sonne wenige Minuten später verschwunden ist.

Ein Urlaub war nicht wertlos, weil wir irgendwann wieder nach Hause fahren.

Eine Begegnung war nicht unwichtig, nur weil sie nicht ein ganzes Leben gedauert hat.

Und eine Liebe war nicht automatisch falsch, nur weil sie irgendwann endete.


Ein schöner Augenblick muss nicht ewig dauern, um ganz zu sein.


Vielleicht entsteht ein Teil unseres Leidens gerade dadurch, dass wir von schönen Dingen verlangen, dauerhaft zu sein.

Doch das Leben bewegt sich.

Menschen verändern sich.

Körper verändern sich.

Jahreszeiten verändern sich.

Beziehungen verändern sich.

Wir selbst verändern uns.

Vergänglichkeit nimmt dem Leben nicht seinen Wert.

Vielleicht macht sie uns erst bewusst, wie kostbar ein Augenblick sein kann.





Das Gute behalten heißt nicht festhalten


Wenn wir sagen:


Du darfst das Gute behalten, dann bedeutet das nicht:


Halte es um jeden Preis fest.

Kontrolliere es.

Besitze es.

Verhindere jede Veränderung.

Denn dann würde aus Liebe Angst werden.

Aus Freude Kontrolle.

Aus Nähe Besitz.

Das Gute behalten bedeutet etwas anderes.

Es bedeutet:


Schiebe es nicht weg, solange es da ist.


Lass es ankommen.

Erlebe es.

Würdige es.

Sei dankbar dafür.

Und wenn es eines Tages seine Form verändert, wirst du damit umgehen, wenn dieser Tag kommt.

Du musst nicht heute schon unter einem Verlust leiden, der vielleicht irgendwann geschehen könnte.





Das Leben geschieht jetzt


Unser Verstand reist gerne durch die Zeit.

Er geht zurück in die Vergangenheit.

Was ist damals passiert?

Warum habe ich das getan?

Warum hat dieser Mensch das gesagt?

Oder er reist in die Zukunft.

Was wird geschehen?

Was könnte schiefgehen?

Was werde ich tun, wenn …?

Doch dein Leben findet weder gestern noch morgen statt.

Es findet jetzt statt.

Vielleicht sitzt gerade jemand neben dir, den du liebst.

Vielleicht scheint die Sonne.

Vielleicht regnet es und du sitzt warm und geschützt.

Vielleicht schläft dein Hund oder deine Katze neben dir.

Vielleicht trinkst du gerade eine Tasse Kaffee oder Tee.

Vielleicht hörst du Musik.

Vielleicht schaust du heute Abend in den Mond oder in die Sterne.

Es muss nichts Spektakuläres geschehen.

Vielleicht besteht Glück manchmal einfach darin, zu bemerken:


Dieser Augenblick ist gut.


Und ihn nicht sofort zu verlassen.



Suche nicht nach dem Haken


Vielleicht ist das eine kleine Übung für heute.

Wenn etwas schön ist, beobachte einmal, was dein Verstand damit macht.

Kannst du ein Kompliment einfach annehmen?

Kannst du einen ruhigen Tag genießen?

Kannst du eine liebevolle Begegnung erleben, ohne sofort zu analysieren, was sie bedeutet?

Kannst du Glück empfinden, ohne dich zu fragen, wann es wieder vorbei sein wird?

Vielleicht bemerkst du eine innere Stimme, die nach dem Haken sucht.

Dann musst du diese Stimme nicht bekämpfen.

Du kannst sie einfach wahrnehmen.

Und vielleicht antwortest du ihr:


Im Moment ist alles gut. Und das darf reichen.




Du darfst diesen Augenblick haben


Vielleicht ist heute etwas schön.

Dann lass es schön sein.

Suche nicht nach dem Problem.

Frage nicht sofort, wie lange es bleiben wird.

Mache aus deinem Frieden keine Sorge über seinen möglichen Verlust.

Atme.

Schau hin.

Nimm wahr.

Lass das Leben für einen Moment bei dir ankommen.

Vielleicht musst du heute nichts verbessern.

Nichts verstehen.

Nichts festhalten.

Vielleicht darfst du einfach innerlich sagen:


Ich darf diesen Augenblick haben.


Nicht für immer.

Aber jetzt.

Du darfst Freude empfinden.

Du darfst Frieden erleben.

Du darfst lieben.

Du darfst geliebt werden.

Du darfst lachen.

Du darfst genießen.

Und du darfst das Gute in deinem Leben willkommen heißen, ohne dich bereits vor seinem möglichen Ende zu fürchten.

Denn vielleicht besteht Glück nicht darin, etwas für immer festzuhalten.




Vielleicht besteht Glück darin, das Gute nicht wegzuschieben, solange es bei dir ist.


Herzlichst


Marc Altmann


Kommentare


  • Linkedin
  • X
  • Facebook
  • Instagram

© 2026 by Marc Altmann Heilpraktiker Hellseher Spirituelle Psychotherapie

Tel.0170 8084397

Schleswig Holstein Deutschland

bottom of page